Dinge mit Filmen aus Asien (und ein bisschen Berlin)

Letztes Jahr habe ich schon einmal über diverse asiatische Filme geschrieben – und das die in Deutschland generell wenig Aufmerksamkeit bekommen, dachte ich mir, dass ich das doch auch durchaus noch einmal machen könnte. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ich das letzte Wochenende auf dem asiatischen Filmfestival in Deauville verbracht habe. Um das Ganze etwas zu entzerren, wird das hier aber (hoffentlich) der erste von mehreren Posts, über die ich diverse Reviews verteilen werde.

Berlin ist vielleicht nicht mehr cool, aber als es das noch war, haben ein paar Koreaner dort mit “The Berlin File” einen doch irgendwie coolen Thriller gedreht. Die Geschichte ist an sich nichts Neues: Ein schöner Spionagethriller, zwischendurch ein paar konspirative Abendessen, Verfolgungsjagden, Kämpfe und tote Briefkästen. Der Clou: Die beiden Nationen, die sich da so hinterherspionieren, sind Nord- und Südkorea. An sich ist das nichts Besonderes, angesichts der Beziehungen zwischen den beiden Staaten finde ich es eher erstaunlich, dass es nicht schon viel mehr Thriller dieser Art gibt. Es ist aber doch interessant, wie ungewohnt es sich kurz anfühlt, dass die Staaten, die wir sonst als Akteure kennen, nur Kulisse sind – Amerikas Geheimdienst kommt am Rande vor, ebenso ein paar korrupte (deutsche) Politiker, wie sie in jeden Spionagefilm gehören. Ansonsten sind es vor allem die Koreaner, sowohl Süd als auch Nord, die sich Döner holen, Kämpfe an Häuserwänden liefen und irgendwie versuchen, bei den Intrigen und Machtspielchen ihrer Regierungen mitzuhalten, ohne das Vertrauen in die gesamte Welt zu verlieren – all das vor der Kulisse Berlins.

Die Geschichte ist vielleicht nicht die Tiefsinnigste, aber sehr schön umgesetzt mit tollen Bildern und immer diesem Hauch Verzweiflung, der bei allem, was gesagt und getan, wird, mitschwingt. Auch hier gilt wieder, was mir an koreanischen Filmen schon öfter aufgefallen ist: Niemand wirklich gut oder böse, alle irgendwie beides, vor allem aber irgendwie düster und etwas verzweifelt mit ihrem ganz persönlichen Ballast. Und dazu gibt es wieder ein (storytechnisch) sehr, sehr schönes Ende.

The Berlin File

Bei Weitem nicht so gut fand ich leider “Library Wars” (図書館戦争). Ich hatte mir den Film vor allem angeschaut, weil ich die schon in der Beschreibung erklärte Idee irgendwie interessant fand: In einem Japan der nicht allzu fernen Zukunft hat die Regierung begonnen, Literature stark zu zensieren (wenn man mal an das neue Gesetz zu Whistleblowing und Staatsgeheimnissen denkt, das Ende letzten Jahres unter Abes Regierung beschlossen wurde, ist das eher unheimlich als merkwürdig). Aufgrund eine älteren Klausel im Bibliotheksgesetz haben Bibliotheken allerdings das Recht, sich zu verteidigen – notfalls mit Gewalt. Das führt zu den Library Wars, dem Krieg innerhalb des Staates zwischen den Bibliotheken und den Zensurkräften, bei denen in genau definierten Zeiträumen auch geschossen wird. Dazu werden natürlich viele große Reden über die Meinungsfreiheit und die Bedeutung jeglicher Literatur geschwungen.

Leider weiß man damit auch schon alles, was an dem Film wirklich interessant ist – die Umsetzung der Idee konzentriert sich vor allem auf die Suche der Heldin nach ihrem “Prinzen”, die auch den Großteil ihrer Handlungen motiviert, die Story bleibt eher flach und holt wenig aus der zugrundeliegenden Idee heraus. Was mich besonders geärgert hat, war der Fokus der (weiblichen) Hauptperson auf ihren Prinzen. Wäre ihre Motivation minimal anders konstruiert gewesen, hätte sie eine richtig starke Frauenfigur sein können: Als einzige Frau schafft sie es in eine der Spezialeinheiten und schlägt sich dort irgendwie durch, dazu kommen dann noch diverse Dinge, die ich aber hier einmal weglasse, um nicht zu spoilern. Was sie schafft wird dadurch natürlich nicht weniger “toll”, aber der Fokus des Films auf die (potentielle) RZB stört mich etwas – besonders in Anbetracht der Tatsache, dass man aus der Grundidee mehr als eine Liebesgeschichte hätte herausholen können. Der Film beruht allerdings auf einem Buch, das der Aussage eines Freundes zufolge sehr gut ist, das werde ich mir wohl mal besorgen.

Library Wars

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3 thoughts on “Dinge mit Filmen aus Asien (und ein bisschen Berlin)

  1. 500woerterdiewoche

    Von wem ist denn das “Library Wars”-Buch, und heißt es auch so?

    Einerseits bin ich sowieso eher ein Buch- als ein Filmmensch, und andererseits macht es mich immer traurig, eine gute Idee schlecht umgesetzt zu sehen – da fange ich lieber gleich mit dem Buch an…

    Reply

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