Gedanken über/und Erinnerungen

Linkin Park’s “Castle of Glass” im Shuffle – Ich in einem der größten Record Stores an Shinjukus berühmter Kreuzung, mit Kopfhörern auf dem Ohr, in die neue CD reinhörend. Draußen sind es 30 Grad, am Tag vorher wurde die halbe Stadt von einem Monsun lahmgelegt, jetzt ist der Himmel strahlend blau.

Der Geruch irgendeines Shampoos in einem Kreuzberger Café – ein früherer Freund, das Gefühl, wenn man nach dem Sex in den Armen des anderen liegt und Gerüche intensiver als sonst wahrnimmt.

Die Brücke vor dem Hauptbahnhof in Berlin – das surreale Déjà-Vu-Gefühl, als ich nach einem Jahr in China auf einmal wieder in Deutschland bin und alles um mich herum eine mir verständliche Sprache spricht.

Über die letzten zwei Jahre habe ich unheimlich viel erlebt und viele, viele Erinnerungen gesammelt, manche schön, manche unangenehm, aber alle irgendwie wichtig und prägend. Und immer wieder gibt es kleine Details in meinem jetzigen Leben – hier in Berlin, in Frankreich, zuhause, auf Reisen – die mich schlagartig zurückversetzen und Momente wieder zum Leben erwecken, an die ich mich eigentlich nur noch als abstrakte Geschehnisse erinnere. In diesem Moment ist die Erinnerung dann auf einmal wieder so lebendig, dass ich die Szenerie vor mir sehe und alles, was ich um mich herum sah und roch, ein zweites Mal durchlebe.

Vielleicht ist das ein Zeichen, dass ich älter werde. Nicht alt, einfach nur älter. Alt genug, um klare Erinnerungen an Jahre alte Ereignisse zu haben, die irgendwo in meinem Gedächtnis schlummern und durch winzige Trigger wieder hervorkommen. Ich finde das ganz wunderbar.

So gehe ich gerade nicht nur durch ein unglaublich tolles Leben, in dem ich immer neue Menschen, Orte und Ideen kennenlerne, es ist gleichzeitig auch immer etwas Erinnern dabei. Während neue Erinnerungen entstehen, bin ich auf einer Entdeckungstour durch die Vergangenheit meiner eigenen Gefühlen und Eindrücken. Und täglich kommen neue dazu.

Das Merkwürdige daran ist auch, dass ich jetzt viele recht frische Erinnerungen habe, die durch solche Flashback mit anderen, älteren Momenten verbunden sind. Und wenn ich an diese neuen Momente zurückdenke, sind die alten Gefühle dann auch wieder dabei. Es ist, als ob ich dabei zuschauen würde, wie meine Erinnerungen sich alle Schicht für Schicht ineinander verweben. Dabei entsteht dann das, woran ich mich an jedem Punkt meines Lebens zurückerinnern werde.

Das Neue ist, dass es kein linearer Prozess ist, sondern vielmehr ein unendliches Chaos verschiedener Stränge, die sich alle aufeinander beziehen und Gefühle, Gerüche, Geräusche und Anblicke zu einem schwer fassbaren Ganzen mischen. Das hätte ich nicht erwartet. Aber ich freue mich über jede schöne Überraschung, die das Leben bereithält.

Advertisements

One thought on “Gedanken über/und Erinnerungen

  1. Pingback: Results for week beginning 2013-07-22 | Iron Blogger Berlin

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s