“I don’t know anyone in heaven anyway!” (Asiatische Filmempfehlungen)

Da ich dieses Semester schon einmal richtig fies krank war (so das Level, bei man die Jalousien zumacht, weil das Licht wehtut, und den Tag lang im Bett liegt, weil das Einzige, was nicht zu weit weg ist, der Wasserkocher ist), konnte ich endlich einige Filme sehen, die ich mir schon vor Ewigkeiten auf meine endlose Liste gesetzt hatte:

“Old Boy” ist wohl einer der berühmtesten koreanischen Filme und wird öfters dafür angeführt, wie in Asien Gore und Thriller umgesetzt werden. Ich kenne mich jetzt in dem Horrorbereich nicht wirklich aus, finde aber, der Film ist einfach sehr sehenswert (wenn auch leicht creepy), unabhängig vom kulturellen Kontext. Yeo Ji-Tae, der eine der beiden Hauptrollen spielt, hat auch kürzlich sein Regiedebüt “Mai Ratima” fertig gestellt – ein Film über die Probleme in der koreanischen Gesellschaft, die bei dem ganzen Gangnam Style- und K-pop – Hype meistens zu kurz kommen. Auch sehr zu empfehlen.

Sowohl den chinesischen “Caught in the Web” als auch “You are the Apple of my eye (那些年)” habe ich mir v.a. angeschaut, um mein Hörverstehen in Chinesisch mal wieder etwas auf Vordermann zu bringen. Letzterer ist einfach nur eine sehr, sehr chinesische Liebesgeschichte (nur erfolgreicher als andere), wie man sie dort immer zu sehen bekommt – boys loves girl mit viel Drumherum. Ersterer ist zumindest storytechnisch interessant – er befasst sich mit einer auf einer Kleinigkeit beruhenden Hetzkampagne von Medien und Internet gegen eine einzelne Frau und was das mit ihrem Leben anrichtet. In Deutschland mag einem das Szenario etwas merkwürdig vorkommen, in China ist es aber traurig realistisch, darum kann der Film in der Hinsicht ganz lehrreich sein. (Ich führe das in einem anderen Text nochmal weiter aus, glaube ich, ist ein größeres Thema.)

You’re the Apple of my Eye

Außerdem aus der Kategorie “Mit Freunden und Wein”:

“Lust, Caution” von Ang Lee (dessen “Life of Pi” ich mir immer noch nicht gegeben habe und es auch in naher Zukunft nicht tun werde). Der Film hatte in China wegen der “wilden” Sexszenen für Aufsehen gesorgt, weil es anscheinend zahlreiche Verletzte bei dem Versuch gab, die Szenen im eigenen Schlafzimmer nachzuspielen. Die Koreaner regten sich dagegen trefflich darüber auf, dass die nackte Dame in ebendiesen Szenen nicht unter den Armen rasiert war. Nun ja. Man sollte den Film aber nicht auf die interessanten Sexszenen reduzieren, er ist auch als Gesamtwerk sehr gut! Dass die Geschichte zwischen Hong Kong und Shanghai stattfindet (in der einen Stadt habe ich gelebt, aus der anderen kommt meine Familie), machte den Film für mich nur umso interessanter. Besonders geschichtlich nimmt man auch einiges mit – fragt euch mal, wie viel ihr auf Anhieb über die japanische Besatzung Chinas wisst. Und dann könnt ihr diesen Film gucken, um euer Gewissen zu beruhigen.

In letzter Zeit habe ich dann auch noch mehrmals die Gelegenheit ergriffen, um zwei weitere Filme von meiner asiatischen to-watch-list zu streichen:

Über Akira Kurosawas Scandal war ich, glaube ich, bei der Recherche zu meinem Paper über japanische Geschlechterrollen gestolpert, den genauen Zusammenhang weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall ist der Film alt (genauer, von 1950) und das merkt man natürlich auch – die Geschichte geht echt sehr langsam voran. Von Kurosawa als Kritik am sensationsgierigen Verhalten der Medien gedacht, schockt der Film heute in Zeiten von BILD nicht mehr wirklich, was ihn aber als kleine Zeitkapsel nicht minder interessant macht. Kurosawas Bildsprache ist wie immer sehr schön und stark und wer ein bisschen ein Auge für die Subtilität asiatischer Filme und ihrer Liebesgeschichten hat (damals noch subtiler als heute), wird auch seinen Spaß haben. Für alle Filmnerds, denen das etwas sagt: Ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Film im Akademieformat gedreht ist, was zu dem Zeitpunkt in Europa eigentlich schon komplett vorbei war.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass The Thieves vor allem eine koreanische Version von Ocean’s Eleven sei. Das mag zu dem Maße stimmen, dass es um unheimlich gewitzte Diebe mit ihren ganzen besonderen Fähigkeiten geht und wie man das zu einem genialen Coup zusammenbringen kann, ABER die Vereinfachung greift m.E. dann doch viel zu kurz. Bei George Clooney und seinen Leuten geht es in meiner Erinnerung vor allem darum, wie schön man zusammenarbeitet und irgendwie ans Ziel kommt, aber die Koreaner nehmen hier eine wesentlich weniger romantische Sichtweise ein – auch, wenn die Nonchalance eines echten Gangsterfilms natürlich nicht fehlt. Es sind ein paar echt nette Actionszenen dabei (Verfolgungsjagden an koreanischen Häuserfronten!) und mir gefällt auch die kleine Reise durch die Länder der Region – Hong Kong ist Hauptschauplatz, aber auch Seoul und Busan kommen auf ihre Kosten. Japan hat leider nur einen linguistischen Auftritt, aber besser als nichts. Genau, das ist noch etwas – der Film räumt auch damit auf, die Asiaten würden sich ja alle verstehen. Sprachliche Probleme sind unvermeidlich, wenn Koreaner und Chinesen zusammenarbeiten sollen, aber wenn man den Film mit Untertiteln schaut, fällt das Hin- und Hergewechsel zwischen vier Sprachen (Chinesisch, Kantonesisch, Koreanisch, Japanisch) vermutlich nicht so sehr auf.

Man beachte den erhöhten Coolnessfaktor durch Sonnenbrillen.

Und dann gibt es noch einen Sonderkandidaten – eine Dokumentation, die gar nicht auf meiner Liste stand, mir aber von einer Freundin empfohlen wurde. The Great Happiness Space: Tale of an Osaka Love Thief beschäftigt sich mit dem Konzept der Host Clubs in Japan und berichtet vor allem aus einem bestimmten in Osaka namens “Rakkyo”. Es geht darum, wie aus Liebe und Zuneigung ein Geschäft gemacht wird, wie eigentlich alle Beteiligten wissen, worum es geht, die Frauen sich aber dennoch in Träumen verlieren, die die Männer ihnen verkaufen, während die sich so sehr auf die Interaktion mit den Frauen einstellen, dass sie gar nicht mehr wissen, wo sie selber aufhören und die Maske anfängt. Letztendlich geht es wie so oft um einsame Menschen in einer Großstadt, die irgendwie alle nach Liebe suchen. Das Tragische ist, dass es alles wahre Geschichten sind. Gleichzeitig ist es aber auch auf tragische Weise faszinierend. Die Frage ist: Kann so etwas nur in Japan durchsetzen? Oder könnte es so etwas auch in jedem beliebigen anderen Land funktionieren? Einsame Menschen gibt es immerhin überall. Irgendwie perfide wird es, wenn man daraus Kapital schlägt und diese Gefühle ausbeutet. Aber um Schuldzuschreibungen geht es in der Doku nicht – sie stellt einfach nur dar. Sehr empfehlenswert!

Advertisements

One thought on ““I don’t know anyone in heaven anyway!” (Asiatische Filmempfehlungen)

  1. Pingback: Dinge mit Filmen aus Asien (und ein bisschen Berlin) | Gedankenstiele

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s