Grenzgänger

Um mich herum gibt es unzählige Menschen, die Grenzgänger zwischen unzähligen Kulturen sind – nicht als Migranten, sonders als Expats, das sind die, die Geld haben und für die großen Firmen arbeiten. Es ist meistens faszinierend und manchmal etwas traurig, von ihnen darüber zu hören, wie sie aufgewachsen sind. Alle paar Jahre in ein neues Land, immer von einer internationalen Schule zur nächsten. Eine Freundin von mir hat in so vielen Ländern gelebt, dass sie sich gar nicht mehr an alle erinnert – wenn man sie nach einer Liste fragt, muss sie lange überlegen.

Ich: “Kann man eigentlich auf ein französisches Lycee gehen, wenn man kein Französisch spricht?”

M.: “Man kann auf ein französisches Lycee gehen, solange man bezahlen kann…”

J.: “Also, ich war auf einer englischen Schule, ohne Englisch zu sprechen.”

M. und ich: “Wie jetzt, wie alt warst du da?”

J.: “Na ja, wir waren gerade von Peking nach Marokko gezogen und keiner von uns hatte jemals Englisch gelernt, wir waren diese leicht deplatzierte schwedische Familie. Meine Mutter hatte Chinesisch gelernt und versuchte sich in Marokko an Französisch, gab aber schnell auf – sie fand es viel zu unlogisch. Mittlerweile sprechen sie aber auch beide Englisch. Aber da war ich, in der ersten Klasse an der amerikanischen Schule und hatte überhaupt keine Ahnung, was da vor sich ging. In der Klasse war noch ein anderes schwedisches Mädchen und ich fragte sie auf Schwedisch, was der Lehrer gesagt hätte, aber sie zischte mich nur an ‘Halt die Klappe!’ und ich versank nahezu im Boden… Ich war ziemlich verloren.”

M.: “Mir ist genau das Gleiche passiert! Auch in der ersten Klasse, als ich nach Amerika gezogen bin. Wir haben so ein Quiz gemacht, wo es um Tiernamen ging – Gürteltiere und Ameisenbären und so weiter. Ich war total verwirrt, ich kannte ja noch nicht einmal die koreanischen Worte dafür. Es war aber noch ein anderer koreanischer Junge in der Klasse und ich fragte ihn auf Koreanisch, was gerade passieren würde und er fauchte nur ‘Wir sprechen hier kein Koreanisch!’ und ich war still für den Rest der Stunde.”

Kurze Pause.

M.: “Aber wisst ihr was, in der dritten Klasse, als ich selber keinen Englischunterricht mehr nehmen musste, war ein neuer koreanischer Schüler in unserer Klasse. Und ich habe genau das Gleiche gemacht, als er mich etwas auf Koreanisch gefragt hat.”

Danach haben wir uns wieder Wein und Bier zugewandt.

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