It’s a big, big city and the lights are all out (Eine Woche Berlin)

Auf dem Fahrrad mit Rock’n’Roll im Ohr durch die Stadt, zum ersten Mal nicht in Regenjacke und wasserfesten Schuhen, sondern im T-Shirt. Die warme Sommerluft hat sich in der ganzen Stadt breit gemacht und treibt die Menschen aus den Häusern, die Touris aus den Hotels – in die Parks und die Straßen, die Eisdielen und Cafés. An einer Ecke sitzen die Menschen alle mit MacBooks an den Tischen, unbeeindruckt von dem Gewimmel um sie herum.

Aber die meisten sind zu zweit, zu dritt, mit vielen unterwegs, teilen Kaffee, Abendessen und Eis und ihre Geschichten. Manchmal die des letzten Tages, manchmal die eines ganzen Jahres. Wenn man sich lange nicht gesehen hat, kann es so viele Dinge geben, die man loswerden und anderen mitgeben möchte – die endlos vielen Gefühle und Gedanke, die einen in dieser Zeit bewegt haben. Das Leben bestimmten und veränderten und irgendwie über verschlungene Wege zu diesem Tag führten, das Jetzt, an diesem Abend, der viel zu warm und voller Leben für die Uhrzeit ist.

Wer will, kann ganz langsam gehen, an den Cafés und Restaurants vorbei, und Brocken aus den vielen Leben hören, die ausgebreitet werden. Von ganz viel Liebe ist da die Rede, mal erfolgreich, mal erhofft, mal enttäuscht. Oder einfach ganz unerwartet, überwältigend und simpel. Nicht alles ist schön, oft geht es auch um Wut und Ärger, aber alleine, darüber reden zu können, hilft, das Gefühl zu lindern. Wer will, kann heimlich herumgehen und spionieren in den Geschichten, die durch die Luft schwirren und bruchstückhafte Blicke in die anderen Menschen erhaschen, die man nie wieder sehen wird.

Erst sitzen wir im Park und schauen der Sonne dabei zu, wie sie sich langsam versteckt und wie ein Flugzeug vor dem rosanen Sonnenuntergang tatsächlich ein halbes Herz in den Himmel malt.  Als das Licht verschwindet und die Kälte sich langsam breitmacht, ziehen wir um in ein Café mit kuscheligen Decken und gewürztem Tee. So richtig ist der Sommer doch noch nicht da, es wird wieder kalt. Wir sitzen in dem rot-orangenen Licht und trinken unseren Tee, vollkommen ins Gespräch versunken, das vergrabene Erinnerungen und Gedanken wieder hervorbringt. In die Form von Worten gebracht fühlen sie sich ungewohnt an, vielleicht hätten sie lieber weiter geschlafen. Aus dem Winterschlaf geweckt von der Nähe eines Menschen, der seine Geschichten teilt, gewöhnen sie sich an das neue Ich, zu dem sie jetzt gehören, und spinnen neue Ideen, die kurzlebig wirken und diese Sommernacht doch überleben werden.

Vor einem Jahr war ich stetig in Bewegung, von einem Ort zum anderen, beinahe an mehreren gleichzeitig. Durch die Kleinstraßen der ultimativen Großstadt, in kleinen Restaurants direkt an den U-Bahn-Gleisen, in denen man auf Barhockern bestellt und dem Essen in seiner Entstehung zuschaut, mitten in der Nacht mit Lagerfeuer am Strand des Pazifik, auf der Suche nach verlorenen Freunden im Dunkeln über Friedhöfe, mit Abschiedsküssen am Flughafen, alleine mit Spinnen im Dschungel, in Umarmungen versunken, mit ganz viel Nähe weit über den Lichtern der Stadt bei Nacht, mit den Füßen in den warmen Sand eingegraben unter einem klaren Wüstenhimmel.

Jetzt stehe ich still. Aber mein Herz und meine Gedanken wandern weiter. Sie wissen immer noch nicht, wohin es geht. Doch zum ersten Mal fühlt sich der Weg unter den bloßen Füßen fest und sicher an.

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2 thoughts on “It’s a big, big city and the lights are all out (Eine Woche Berlin)

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