Get into Character (We’re going live)

Das Allererste, was ich über dieses Blog wusste, war, dass ich auf Deutsch schreiben wollte. Irgendwie ist meine Muttersprache schleichend einfach aus meinem Alltag verschwunden – mit meinen Freunden und Lehrern rede ich Englisch (manchmal Französisch), wenn ich Hausarbeiten oder Klausuren schreibe, passiert das auf Englisch, wenn ich einkaufen gehe, tue ich das auf Französisch (oder auf Chinesisch, wenn mich der Mangel an asiatischen Zutaten und Gewürzen mal wieder in den Asialaden treibt). Selbst mit meinem deutschen Nachbar spreche ich meist Englisch –  irgendwer ist immer im Raum, der kein Deutsch versteht.

Deutsch findet nur noch auf Facebook, im ICQ-Chat und über Skype statt, in den kleinen Momenten, in denen ich Kontakt zu den Menschen in Deutschland zu halte, die mir immer noch wichtig sind, weil sie dort ein Teil meines Lebens waren. Manchmal klappt das, manchmal nicht. Manche Freundschaften sind anscheinend nicht für die Ewigkeit oder für konstanten Kontakt gemacht (das nimmt ihnen aber nichts von ihrem Zauber, während sie noch Teil meines Lebens sind).

Bücher lese ich auch nicht mehr auf Deutsch. Es gibt gerade wenig deutsche Literatur, die mich gerade reizt – so traurig das auch ist. Ich versuche schon seit Langem, Bücher wenn möglich nur noch im Original zu lesen. Und auch, wenn meine Sprachkenntnisse bei weitem nicht ausreicht, um Murakami’s “1Q84” auf Japanisch zu lesen, traue ich der englischen Übersetzung doch intuitiv mehr als der deutschen. Begründen kann ich das nicht, ich sollte mal den Vergleich anstellen, und mir auch die deutsche Version antun. Ich frage mich ja, ob es den Deutschen auch gelingt, diese spezielle Atmosphäre, dieses… Gefühl rüberzubringen, das seine Bücher für mich ausmacht. Letztendlich hat jede Sprache ihren eigenen Ton und ich bin mir nicht sicher, ob der deutsche zu Murakamis Geschichten passt. Ich weiß ja noch nicht einmal, ob der englische passt.

Note to self: Japanisch verbessern und herausfinden.

Im Internet lese ich allerdings noch auf Deutsch, Zeitungen und Blogs. Ganz ehrlich, liebe deutsche Zeitungen, wenn ihr euch eine Paywall zulegt, lese ich nur noch Blogs. Dann seid ihr selber schuld. Was soll man denn da als Student machen? Studentenpreise für Abos sind ja schön und gut, merkt man aber auch nichts mehr von, wenn man im Ausland lebt. Duh.

Gut, nach dieser kurzen Analyse muss ich meine anfängliche Aussage revidieren: Deutsch findet in meinem Alltag schon noch statt, aber nur in Nischen – nur im Internet.

Warum genau ich wieder auf Deutsch schreiben wollte, kann ich auch nicht erklären. Wenn ich etwas sagen möchte, kommen mir mittlerweile zuerst die englischen Worte in den Kopf und oft, wenn ich Deutsch rede, suche ich nach einem Wort, das wir nicht haben, und muss dann auf eine umständliche Umschreibung eines Konzeptes zurückgreifen, das man doch im Englischen so schön einfach ausdrücken könnte. Natürlich hat das Deutsche auch Worte, deren Bedeutung im Englischen nicht mit einem Wort wiedergegeben werden können – aber diese Lücken fallen mir nicht so oft auf. Wenn überhaupt. Dabei kann man mit der deutsche Sprache doch eigentlich so viele schöne Dinge ausdrücken!

Dazu kommen kleine Dinge. Wie die Tatsache, dass ich mich seit Jahren schon nicht mehr an meine Träume erinnere. Und als es dann vor einigen Tagen das erste Mal wieder passierte, hatte ich definitiv auf Englisch geträumt. Oder dass ich gestern mehrere lange Augenblicke darüber nachdenken musste, ob es jetzt “Malaysia” oder vielleicht doch “Malaysien” heißt (laut Wikipedia geht übrigens beides, also lag ich gar nicht wirklich falsch.)

Was am Ende bleibt: Ich sitze in Frankreich und schreibe nach zwölf auf Deutsch ins Internet. Mal schauen, wie lange ich durchhalte.

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2 thoughts on “Get into Character (We’re going live)

  1. Caro H.

    Hey,
    freu mich mal wieder was von dir zu hören. 🙂 Wie geht es deinem Knöchel? Und was machst du eigentlich genau beim Minicrit?
    LG aus München
    Caro

    Reply

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